Einhundert Jahre,
je nach Betrachtungsweise eine lange oder eine kurze Zeit. Als wir begonnen hatten, uns mit der Geschichte des Kirchenchores in unserer Pfarrei zu beschäftigen, wurde der zu betrachtende Zeitraum immer größer. Zeitzeugen aus den Anfängen der Pfarrei, die über den Kirchenchor etwas wissen, gibt es nicht mehr. Wir können aber davon ausgehen, dass es schon vor der Erhebung zur selbständigen Pfarrei einen Chor gab. Im Pfarrarchiv wird erstmals der Lehrer Anton Strauß als Organist von 1911 – 1922 erwähnt, gefolgt von einem Herrn Schreiber bis 1930. Ab diesem Jahr bis 1950 hat der Lehrer Anton Schwarz das Amt übernommen. Sepp Maisch hat erzählt, dass seine Großeltern 1925 nach Taufkirchen gekommen sind. Sein Großvater, sein Vater, er und seine Brüder haben regelmäßig im Chor gesungen, Chorleiter war der Organist und Lehrer des Orts.
Parallel dazu gab es einen Gesangsverein, dessen Mitglieder zum größten Teil auch Mitglieder des Kirchenchores waren. In der Zeit vor 1960 muss es dann wohl einen Niedergang gegeben haben, denn man spricht davon, dass die damals 16 oder 17 Jahre alte Organistin Aniela Romanyschin (verh. Schlögel) wieder mit einem Chor angefangen hat. Ihr Wirken dauerte nur etwa vier Jahre, dann gab es eine Lücke bis Pfarrer Meier die Pfarrei übernahm und seinen Chorleiter Rolf Kraus mitbrachte, der von 1966 bis 1968 den Chor leitete. Ihm folgten von 1968 bis 1969 Herr Stockert (nur wenige Monate) und bis 1970 Siegfried Frischmut.
Am 1.9.1971 übernahm Johannes Lang den Chor und konnte in langjähriger Tätigkeit einen hervorragenden Chor formen, der mit zahlreichen hochqualitativen Aufführungen die Gottesdienste bereicherte. Gleich in den Beginn seiner Arbeit fiel die Aufstellung einer neuen Orgel durch die Firma Eisenbarth aus Passau. Die noch von dem früheren Organisten Rolf Kraus entworfene Disposition umfasste 16 klingende Register, verteilt auf zwei Manuale und das Pedal. Es konnten dann in der Folgezeit eine Reihe sehr erfolgreicher Orgelkonzerte veranstaltet werden.
Gekennzeichnet war diese Zeit auch durch eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der evangelischen Kantorei unter der Leitung von Jürgen Sieversen mit regelmäßigen Kirchenkonzerten. Nach einem kurzen Zwischenspiel in den Jahren von 1983 bis 1985 von Gudrun Schmieder, setzte Herr Lang seine erfolgreiche Tätigkeit bis zum 30. September 1990 fort. Wieder, nach nur einem Jahr Tätigkeit von Stefan Steiner, wurde Prof. Anton Zeman als Chorleiter verpflichtet. Er konnte die erfolgreiche Tätigkeit von Johannes Lang wieder aufnehmen und bis 1995 fortsetzen. Prof. Zeman musste seine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aufgeben und – wie fast zu erwarten – füllte die Lücke bis zur Berufung von Helga Trager im Jahre 1995 wieder Johannes Lang. Für die lange, erfolgreiche Zeit seiner Chorleitung, seiner Beratertätigkeit für den Orgelumbau und darüber hinaus für mehrmaliges, völlig uneitles Einspringen in höchster Not sei ihm an dieser Stelle herzlich gedankt.
Unvergesslich bleibt dem Chor der Heilige Abend, an dem Solisten, großer Chor und Orchester zur Mitternachtsmette versammelt waren und Herr Prof. Zeman zehn Minuten vor Beginn noch nicht da war. Die Rettung war Johannes Lang, der als Besucher in der Kirche saß. Auf die zweifelnde Frage einer Solistin, ob Herr Lang denn die schwierige Messe dirigieren könne, konnten wir mit Überzeugung "ja" antworten. Und er konnte und wollte. Zum Credo kam dann Herr Prof. Zeman, der durch einen technischen Defekt in seiner Tiefgarage einschlossen gewesen war. Als sei es die größte Selbstverständlichkeit der Welt übergab Herr Lang den Dirigentenstab Herrn Zeman und begab sich wieder in seine Kirchenbank. Wer hätte das so einfach getan?
Mit Helga Trager, die trotz ihrer Erblindung den Beruf der Kirchenmusikerin bis 2003 bewundernswert bewältigte, hatte der Chor aber auch die schwierige Aufgabe übernommen, so weit als möglich die schwere Behinderung seiner Leiterin zu akzeptieren und auszugleichen.
Seit Januar 2003 leitet nunmehr Claus Blank den Kirchenchor. Es gelang ihm in kurzer Zeit den personell nicht mehr gut aufgestellten Chor durch unermüdliche Werbung so aufzubauen, dass bald wieder an den Hochfesten die bekannten Orchestermessen von Mozart, Schubert, Kempter usw. in hoher Qualität erklangen. Die Gewinnung von neuen Mitgliedern war aber auch deshalb so erfolgreich, weil das Repertoire des Chores mit Gospelmusik, lateinamerikanischen Werken und nicht zuletzt auch alpenländischer Volksmusik enorm erweitert wurde. Es darf in diesem Zusammenhang an die erfolgreichen Aufführungen der "Missa criolla", mehrerer Gospelmessen, der "Waldlermesse" oder der "Deutschen Bauernmesse" sowie unserem Weihnachtskonzert mit spanischen Liedern erinnert werden.
Es war aber nicht nur die Ausweitung des Repertoires, es war auch die Tatsache, dass der Chor den schützenden Raum der Kirche verließ und durch äußerst erfolgreiche Konzerte im Pfarrsaal oder im Ritter-Hilprand-Hof sein Können unter Beweis stellte. Diese Öffnung des Chores nach außen wird teilweise bedauert, ist aber nach Ansicht der Chorleitung durchaus auch eine Möglichkeit der Glaubensverkündung. Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, sich scheuen, eine Kirche zu betreten, können im Konzertsaal einen "Kirchen"- Chor erleben, der in seinen Darbietungen religiöse Inhalte verbreitet.
Unsere umfangreichen Aktivitäten haben in letzter Zeit dazu geführt, dass es nun einen eigenen Gospelchor und für die Volksmusik den "Dreigesang Sankt Johannes" gibt. Ein nicht zu unterschätzender Effekt dieser Öffnung besteht auch darin, dass sich die Anziehungskraft des Chores beträchtlich verstärkt hat und nicht nur Mitglieder aus Taufkirchen mitsingen. Es ist eine gute Chorgemeinschaft entstanden, deren Zusammenhalt auch von der Bereitschaft aller getragen wird, durch die Übernahme großer und kleiner Aufgaben für die Organisation und die Gestaltung unserer Aufführungen die Chorleitung zu entlasten. Ohne diese Mitarbeit wäre ein so tiefgreifendes Erlebnis wie unser Chorwochenende im Stift Melk an der Donau oder unsere gelungenen Sommerfeste im Zacherlhof oder bei Evi Eberhardt nicht möglich gewesen.
Wir sind ein Laienchor und seine Mitglieder haben noch vielfältige Aufgaben in Familie, Beruf und anderen Organisationen; da ist es nicht immer leicht, die Zeit für den Chor zu erbringen – und die Mitwirkung im Chor ist ehrenamtlich. Allen Chormitgliedern daher ein besonderes Dankeschön für die regelmäßige Teilnahme an Proben und Aufführungen. Nicht zuletzt war diese erfolgreiche Entwicklung der letzten Jahre auch nur möglich, weil wir in Claus Blank einen Chorleiter gefunden haben, der dieses weite künstlerische Spektrum nicht nur persönlich musikalisch beherrscht, sondern auch die Gabe hat, immer wieder Leute dafür zum Mitmachen zu begeistern. Ihm für alles ganz herzlichen Dank!

Wenngleich der Chor selbst – wie schon erwähnt als Laienchor – unentgeltlich arbeitet, so kosten Solisten, Musiker und Aufführungsmaterial doch Geld, das die Pfarrei nur im Rahmen ihres Haushalts zur Verfügung stellen kann. Zur Erhaltung der hohen Qualität unserer Aufführungen ist es aber manchmal unumgänglich, gute und mehr Berufsmusiker zu verpflichten, zu deren Honorierung die zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen. Wir haben deshalb den "Verein zur Förderung der Kirchenmusik" gegründet. Alle dazu notwendigen Formalitäten sind inzwischen erledigt und Sie können Mitglied werden.
Eugen Friedl