Die Jesuiten als Eigentümer der Hofmark 1592 - 1773
Im Jahr 1585 schenkte Herzog Wilhelm V. der Sozietät Jesu, Jesuiten genannt, ein Landgut mit Fischweiher in Taufkirchen als Erholungsort für ihre Gesundheit. 1592 wurde ihnen die gesamte Hofmark mit allen Rechten übertragen.
Der 30-jährige Krieg 1618-1648
Die Bauern mussten hohe Kriegsabgaben bezahlen. Für Baumaßnahmen an der Kirche fehlte das Geld. Der Krieg und die Pest töteten die meisten Bewohner im Hachingertal. Selbst der damalige Pfarrherr Wilhelm Stropp aus Oberhaching und zugleich Benefiziat in Taufkirchen wurde im Oktober 1642 in Unterhaching erschlagen. Unsere Kirche überstand diese schwere Zeit und wurde weder geplündert noch gebrandschatzt. Plünderung und Brandschatzung aber waren das traurige Schicksal der meisten Bauernhöfe.
Erste Anfänge einer barocken Kirchenrestaurierung
Der Stuck im Altarraum
Noch im 17. Jahrhundert nach dem großen Krieg wurde das gotische Kreuzgewölbe im Altarraum umgestaltet und mit barockem Stuck im Miesbacher Stil verziert. In der Mitte befindet sich in einer Aureole das Christussymbol IHS, das die Jesuiten gerne verwendeten. Von dem Mittelstück gehen vier Girlanden aus. Zwischen diesen sind geflügelte Puttenköpfe stuckiert, die Körbe, angefüllt mit Früchten, tragen.
Das große Kreuz
Das große Kreuz mit der schmerzhaften Muttergottes, das zwischen den beiden Fenstern an der südlichen Kirchenwand hängt, wird auf die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg datiert und in einem Inventarverzeichnis von 1700 erstmals aufgeführt.
Die Kirche erhält ihr heutiges Aussehen
Über zwei Jahrhunderte waren seit der letzten großen Renovierung der Kirche vergangen. Das Gewölbe und der Dachstuhl drohten einzustürzen. In den Jahren 1737/38 entschlossen sich die Jesuiten, die Kirche nicht nur zu sanieren, sondern im barocken Stil umzubauen. Sie schufen ein Kunstwerk, das uns in seiner Schönheit erhalten blieb.
Die Deckenfresken
Dem Orden der Jesuiten standen die besten Künstler und Handwerker in Bayern zur Verfügung. Ein Teil davon arbeitete in Taufkirchen, ein großer Glücksfall für uns. Damals wurde der Dachstuhl gehoben unter teilweiser Verwendung der alten, gotischen Balken und anschließend das heutige hölzerne Gewölbe eingezogen.
Der berühmte Maler Ignaz Schilling (1702-1773) schuf die schönen, farbigen Deckenfresken. Die drei großen Bilder zeigen im ersten Bild die Taufe Christus durch Johannes d. T., im zweiten die Muttergottes mit Johannes d. Täufer und Johannes d. Evangelisten gleichsam als Fürbitter für Taufkirchen.
Das letzte Fresko stellt die Enthauptung des Johannes d. T. dar. Da die Orgelempore noch nicht bestand, waren alle Fresken beim Betreten der Kirche zu sehen, besonders auch das letzte Gemälde. Der Gesamteindruck war sicher für jeden Kirchenbesucher überwältigend.
Die kleinen Fresken in den Stichkappen des Gewölbes zeigen Szenen aus dem Leben von Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten.
Der leichte Rokokostuck über dem Chorbogen entspricht der Zeit der Kirchenrenovierung um 1737. Die zarten Farben sollen die Orginaltöne wiedergeben.
Die Altäre
Obwohl die Zeit des Barock schon zu Ende war, ließen die Jesuiten in unserer Kirche nicht Rokokoaltäre, sondern dunkle, spätbarocke Altäre mit rötlich marmorierten Säulen errichten. Der Handwerker, der sie schuf, wurde nicht als Künstler, sondern als Kistler bezeichnet. Er war ein Münchner Bürger und hieß Ignaz Hauber. Da die Kirchenrenovierung 1737/38 gut dokumentiert ist (vgl. Karl Hobmair, Hachinger Heimatbuch S. 269), wissen wir sogar, wie viel Geld der Kistler Hauber für seine Arbeit bekam. Die Altäre waren nicht teuer. Sie kosteten 124 Gulden. Der Glaser erhielt im Vergleich dazu 190 und der Schlosser 205 Gulden für geleistete Arbeiten.
Die Altäre wurden mit den drei vorhandenen, gotischen Figuren und vielen, barocken Heiligenskulpturen, die die Jesuiten mitbrachten, prunkvoll ausgestattet. Da die Altäre im 19. und 20. Jahrhundert mehrmals ergänzt und verändert wurden, werden sie im Kapitel Neuere Zeit eingehend beschrieben.
Die Kanzel
Die Kanzel kam bei der Kirchenrenovierung in die Kirche und wurde mehrmals umgestaltet
(siehe Kapitel "Heute").
Das Ende der Hofmark Taufkirchen.
Die große Zeit der Hofmark, zu der 80 Höfe in Taufkirchen und der näheren Umgebung gehörten, ging mit der Auflösung des Jesuitenordens 1773 langsam zu Ende. Kurfürst Karl Theodor gründete 1781 einen neuen Zweig des Malteserordens (auch Johanniterorden genannt) zur Altersversorgung des bayerischen Hochadels. Dieser Orden erhielt die Hofmark Taufkirchen.
Der erste Prior in Taufkirchen war Graf Joseph von Taufkirchen, ein Nachkomme des alten Rittergeschlechts der Taufkircher. Dieser Ordenszweig wurde bereits 1813 wieder aufgelöst. In unserer Kirche erinnern die stuckierten Kerzenleuchter mit dem Malteserkreuz, das der Orden heute noch als Wappen hat, an jene Zeit. In der Folgezeit verkauften die Wittelsbacher mehrere Grundstücke der Hofmark an die Brauerei Haller in München. Im Jahr 1848 wurden alle Hofmarken mit ihren Sonderrechten in Bayern aufgehoben.